Keine UVP Pflicht für das Kraftwerk Tumpen-Habichen – wie ist das möglich?

Keine UVP Pflicht für das Kraftwerk Tumpen-Habichen – wie ist das möglich?

Im Ötztal ist nicht ein Kraftwerk geplant, im Ötztal ist die Ausbeutung der kompletten Ache geplant.
Das im Bau befindliche Kraftwerk Tumpen-Habichen ist nur eines von vielen Wasserkraftprojekten, die zu Lasten der Ötztaler Ache gehen würden, bzw. werden. Die geplanten Wasserableitungen für die Erweiterung des Speicherkraftwerks Kaunertal und die Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz würden dazu führen, dass das Wasser von 43% der gesamten Fläche des Einzugsgebietes der Ötzaler Ache (gemessen am Pegel Tumpen) abgeleitet würde. Und zwar in völlig andere Täler - bzw. eben Speicherseen - das Wasser würde komplett aus dem Ötztal verschwinden. Die zwei größten betroffenen Zubringer sind die Venter Ache und die Gurgler Ache. Die Wasserfassung an der Venter Ache soll 50m³/s entnehmen können, die an der Gurgler Ache 29m³/s.

Nun ist es so, dass das Ötztal zu den inneralpinen Trockentälern zählt, es gibt hier sehr wenig Niederschlag. Das viele Wasser der Ötztaler Ache kommt von den Gletschern, denn 13% des gesamten Einzugsgebietes der Ötztaler Ache ist vergletschert. Welche Flüsse entwässern aber die Gletscher? Richtig, die Venter und die Gurgler Ache.
Diese besagten 43% der Einzugsgbietsfläche die von Kraftwerksplänen betroffen ist, ist also nicht irgendeine Fläche, denn sie schließt die Einzugsgebiete der Venter und Gurgler Ache ein. Es wird also das Wasser, dass die Gletscher im Sommer dem Ötztal schenken, dem Tal entzogen. Der wertvolle Wasserspeicher des Ötztals wird angezapft.

Das Einzugsgebiet der Venter und Gurgler Ache.
Das Einzugsgebiet der Venter und Gurgler Ache schließt auch den Hintereisferner und den Vernagtferner mit ein.

Dieses im Hinterkopf behaltend schauen wir nun wieder das Kraftwerk Tumpen-Habichen an. Hier geht es also nicht 'nur' darum, dass hier eine Querverbauung errichtet wird, ein Staubecken die Fließgeschwindigkeit verringert, die ökologische Durchgängigkeit nicht mehr gegeben sein wird, der Sedimenthaushalt verändert wird, die Ausleitungsstrecke genau und zielsicher den 'einzigartigen' und 'empfindlichen' Abschnitt Achstürze trifft und diese wohl wöchentlichen Stauraumspülungen ausgesetzt sein werden. Sondern es geht auch darum, dass zusätzlich zu all dem die Ötztaler Ache unter einer erheblich geringeren Wasserführung leiden wird, sollten die Kraftwerkspläne zum Ausbau Kaunertal und Sellrain-Silz umgesetzt werden.

Wie ist es also möglich, dass sich ein solches Projekt planen lässt, ohne dass es einer Umweltverträglichkeitsprüfung bedarf? Wie kann es sein, dass man die kumulativen Effekte all dieser Wasserkraftpläne außer Acht lässt? Die Antwort ist: Das beantragte Kraftwerk ist nach Tiroler Bestimmungen ein Kleinwasserkraftwerk (KWK). Die Grenze für KWK liegt bei uns bei 15MW Leistung, das Kraftwerk Tumpen-Habichen ist mit 14,48MW geplant. Das allein reicht aus.

2 Antworten

  1. Jana Brenner
    | Antworten

    Ökologie geht vor Wirtschaft!!

  2. Dieter Prohaska
    | Antworten

    Der Gier muss alles geopfert werden! Die Folgen sind egal. Siehe Corona!

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