Kraftwerkspläne im Ötztal

Kraftwerkspläne im Ötztal

eingetragen in: Ötztal, WET | 2
Wie bereits angekündigt, setzen wir von WET – Wildwasser erhalten Tirol uns ab sofort aktiv für die Ötztaler Ache und gegen alle weiteren geplanten Kraftwerksprojekte im Ötztal ein. Im Folgenden gibt es einen Überblick, was dort los ist und warum wir dagegen sind. Ganz akut geht es grade um die bereits begonnen Bauarbeiten am Kraftwerk Tumpen-Habichen – unsere Petition zum Stop der Bauarbeiten findet ihr hier.

Das Ötztal ist das längste (Seiten-) Tal Tirols und die Ötztaler Ache der längste unverbaute Fluss Tirols. Zur Zeit gibt es in der gesamten Ötztaler Ache – abgesehen vom Brunauer Wehr – keine einzige Querverbauung, was erschreckender weise mittlerweile einzigartig in Tirol ist. Somit ist die Ötztaler Ache ökologisch durchgängig und liefert momentan noch all ihr Wasser, all ihr mitgeführtes Geröll und Sediment und all ihre Nährstoffe ohne Hindernisse in den Inn. Am Ende des hinteren Ötztals liegen einige große Gletscher: 13% des Einzugsgebietes der Ache sind vergletschert. Durch das dort entstehende Schmelzwasser schwankt der Abfluss der Ötztaler Ache stark im Jahresverlauf. Im Winter hat sie einen mittleren Durchfluss von unter 10 m³/s, im Sommer wurde schon ein Tagesmittel von über 250 m³/s gemessen – dementsprechende Mengen Sediment und Geröll werden im Sommer transportiert.

 

Das erste Kraftwerk in der bisher frei fließenden Ötztaler Ache 

Es sind mehrere Wasserkraftprojekte in Planung, die sich auf die Ötztaler Ache auswirken werden. Zwischen Tumpen und Habichen soll ein Ausleitungskraftwerk gebaut werden – das erste Kraftwerk in der ansonsten frei fleißenden Ache. Damit wäre dann nicht nur die ökologische Durchgängigkeit der Ache verloren, sondern auch die als ‚einzigartig‘ und ‚empfindlich‘ eingestuften Gewässerabschnitte unterhalb des geplanten Kraftwerks. Besonders ungeheuerlich ist hierbei die Vorgehensweise der Projektbetreiber, da mitten im Wirbel um die Corona Krise der Bau des KW Tumpen-Habichen bereits begonnen wurde – trotz offener Rechtsfragen, ungeklärter Beschwerden und ohne rechtskräftige Bewilligung. Wir fordern deshalb das Land Tirol auf, die Bauarbeiten mit sofortiger Wirkung zu stoppen um überhaupt ein faires Verfahren zu garantieren und im Weiteren, das Kraftwerk ein für alle Mal zu verhindern, um um den einzigartigen Gewässerabschnitt als Natur- und Naherholungsraum, sowie zum Schutz der Anrainer zu erhalten! Noch mehr Info dazu findet ihr hier, unsere Petition unterstützen könnt ihr hier:

change.org/tumpen-habichen

 

… und 7 weitere Ausleitungen!

Insgesamt betrachtet sind die Pläne für das Ötztal ungeheuerlich: Zusätzlich zum Ausleitungskraftwerk in Tumpen sollen 7 Zuflüsse der Ötztaler Ache abgeleitet und all ihr Wasser in andere Täler übergeleitet werden, sodass es im Ötztal komplett fehlen würde. Diese sind:
  • Schranbach, max. 1,2 m³/s, „Speicherkraftwerk Kühtai“
  • Fischbach, max. 4,8 m³/s, „Speicherkraftwerk Kühtai“
  • Winnebach, max. 2,7 m³/s, „Speicherkraftwerk Kühtai“
  • Königsbach, max. 1,1 m³/s, „Ausbau KW Kaunertal“
  • Ferwallbach, max. 1,2 m³/s, „Ausbau KW Kaunertal“
  • Gurgler Ache, max. 29,0 m³/s, „Ausbau KW Kaunertal“
  • Venter Ache, max. 50,0 m³/s, „Ausbau KW Kaunertal“

Bezogen auf den Pegel Tumpen würde durch diese Ableitungen in Zukunft eine Fläche von insgesamt 341,2 km² vom Einzugsgebiet der Ötztaler Ache verloren gehen. Das entspricht etwa 43% des natürlichen Einzugsgebietes (785,5 km²). Dreiundvierzig Prozent!

 

Eine grobe Übersicht über die Kraftwerkspläne

Kraftwerk Kaunertal

Im hinteren Ötztal sind für den Ausbau des KW Kaunertal Wasserfassungen an der Gurgler Ache samt ihren Zuflüssen (Nr (1) in der Karte) und an der Venter Ache geplant (Nr (2) in der Karte) . Das (bestehende) Kraftwerk Kaunertal ist ein Speicherkraftwerk. Im Gepatschspeicher wird das Wasser aus 10 Bächen gesammelt und über einen Druckschacht zum Krafthaus Prutz am Inn geleitet. Es soll um einen zusätzlichen Speichersee im Platzertal erweitert werden, der zusätzliches Wasser aus den „natürlichen Zuflüssen“ der Venter und Gurgler Ache bekommen soll. Hierzu ist ein ca. 23 km langer Stollen notwendig.

Kraftwerk Tumpen-Habichen

Die Ötztaler Wasserkraft GmbH (Gemeinde Oetz, Gemeinde Umhausen, Auer Beteiligungs GmbH, TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG) plant ein Ausleitungskraftwerk (Nr (4) in der Karte) mit einem Staubecken in Tumpen. Das Wasser soll oberhalb der Gefällestrecke der Achstürze ausgeleitet werden (77 m Fallhöhe), um dann bei Huben wieder ins Bachbett zurück geführt zu werden. Die „Bürgerinitiative gegen Wasserkraftanlage Tumpen“ fürchtet vor allem um die Sicherheit der Anwohner durch eine Erhöhung der Hochwassergefahr für Tumpen und Habichen. Auf ihrer Website findet ihr Infos zu all ihren Bedenken. Es ist eine lange Liste!

Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz (KW Kühtai)

Bei der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz handelt es sich um ein Pumpspeicherkraftwerk. Auch hier soll ein zusätzlicher Speichersee gebaut werden, dem Wasser aus dem Einzugsgebiet der Ötztaler Ache und dem der Ruetz im Stubaital zugeleitet werden soll. Auf Ötztaler Seite sind drei Bäche betroffen: Der Fischbach, der Schranbach und der Winnebach. Aus dem Stubaital sollen Unterbergbach, Daunkogelfernerbach und Fernaubach ausgeleitet werden. Hier ist ebenfalls ein Stollen notwendig (ca. 26 km lang). Das Wasser des Unterbergbaches im Stubaital und das Wasser der Fischbachs auf Ötztaler Seite muss sogar erst zum Stollen hinauf (!) gepumpt werden, bevor es ins Kühtai abfließen kann.

 

Quellenverzeichnis

Ausbau Kraftwerk Kaunertal

Wasserkraftanlage Tumpen-Habichen Oetztaler Ache

Stellungnahme der Tiroler Umweltanwaltschaft / Kaunertal

Stellungnahme der Tiroler Umweltanwaltschaft / Tumpen-Habichen

Stellungnahme der Tiroler Umweltanwaltschaft / Tumpen-Habichen 2 

KW Kaunertal

Bürgerinitiative Ötztal

 

 

2 Antworten

  1. Dieter Prohaska
    | Antworten

    Es ist erschütternd, mit welcher Selbstverständlichkeit die Zerstörung der letzten relativ natürlichen Gebiete geplant und vorangetrieben wird. Offenbar sind sich die Investoren ihrer Sache ziemlich sicher, die Planung wohl schon viel Geld verschlungen hat. Was treibt die Volksvertreter dazu, die stückweise Zerstörung eines Landes zu bewilligen bzw. zu fördern und dann vom „Schützen der Heimat“ zu reden?

  2. Heidi Abfalterer
    | Antworten

    Super Initiative! Danke für euren Einsatz. Es ist überall das gleiche Trauerspiel. Im Sellraintal wollen sie den Fotscherbach verbauen …
    LG Heidi

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